Der 1973 geborene Peter V. Brett hat mit seinem Erstlingswerk “Das Lied der Dunkelheit” ein kleines Meisterwerk geschaffen. Im englischen Originaltitel heißt es “The Painted Man”, damit hat der Heyne Verlag bewiesen, dass sie abermals Titel nicht originalgetreu zu übersetzen vermögen. Auch bei der Übersetzung sind einige Schnitzer unterlaufen. Der gröbste ist die Verwendung von “Mom” und “Dad” als Anrede für die Eltern. Diese passen einfach nicht in die Welt hinein.

Das Buch ist dem Fantasy-Genre zuzuschreiben, wobei die beschriebene Welt sehr düster und grausam ist. Es ist erfreulich, dass Brett nicht die üblichen Klischees bedient, sondern eine neue und völlig eigene Welt geschaffen hat. Dadurch entsteht nicht der Eindruck, dass man alles schon einmal irgendwo gelesen hatte.

Die Welt ist Mittelalterlich und zugleich Postapokalyptisch. Die Apokalypse entstand, als Dämonen nach 30.000 Jahren Ruhe wieder auf die Erde zurückgekehrt sind. Da die Menschen Dämonen als Sagengestalten angesehen haben, konnten diese die einst von Wissenschaft beherrschte Welt fast ganz vernichten und haben die Menschheit ins Mittelalter zurück katapultiert. Menschen können sich nur bei Tageslicht sicher im Freien bewegen. Nachts kommen die Dämonen aus dem Horc, einer Art Hölle. Jeden Menschen, den sie antreffen, zerfleischen und fressen die Dämonen. Nur bestimmte Schutzsymbole vermögen es die nächtlichen Feinde auf magische Art aufzuhalten. Diese werden auf Stadtmauern und Häusern angebracht um die Dämonen aufzuhalten, was jedoch nicht immer gelingt, da die Symbole nicht immer den Angriffen standhalten.

Peter V. Brett erzählt die Geschichte von drei Hauptpersonen. Kapitelweise springt er zwischen den einzelnen Protagonisten, welche sich an verschiedenen Orten befinden. Dabei läuft die Zeit chronologisch weiter und Brett macht beim Wechsel des Charakters keinen Zeitsprung zurück. So lernen wir die einzelnen Persönlichkeiten kennen und lernen zu verstehen, wieso sie am Ende so geworden sind, wie sie sind. Auch das Verhalten der jeweiligen wird dadurch deutlich verständlich.

Die Geschichte vermag es von Anfang bis Ende zu fesseln. Dabei entstand bei mir jedoch nie eine zerreisende Spannung. Diese war allerdings auch nicht notwendig um das Buch absolut lesenswert zu machen. Ich wollte einfach immer wissen, wie es weitergeht und habe das Buch immer nur schweren Herzens zur Seite gelegt. Die Geschichte selbst ist für sich abgeschlossen, doch es ist eindeutig, dass sie weitergehen wird. Dies wird auch so am Ende des Buches angekündigt. Dort ist schon das Cover des Nachfolgebandes abgedruckt. Dieser wird, laut Amazon, im April 2010 erscheinen. Im Wikipedia Artikel zu Peter V. Brett ist auch schon der dritte Band angekündigt. Somit wird der aktuelle Trend zu Trillogien bewahrt.

Ich kann jedem nur empfehlen dieses Buch zu lesen. Im sonstigen Einheitsbrei der Massenliteratur hebt sich dieses Buch äußerst positiv hervor.