Am gestrigen Samstag ist es zwar an mir vorbei gegangen, da ich nicht zuhause war, doch heute konnte ich mich den Berichten über den schweren Unfall bei “Wetten, dass???” und dem Abbruch der Sendung entziehen. Im Grunde war es ja nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert und es ist verwunderlich, dass es so lange gedauert hatte. Mit Wetten wie vor 20 Jahren kann man ja heutzutage niemanden mehr vor den Fernseher locken, da müssen diese natürlich immer Riskanter werden, doch das sehe ich als natürliche Entwicklung der Abstumpfung des Fernsehpublikums.

Dem Lob welches dem ZDF gegeben worden ist, wie darauf reagiert worden ist, kann ich mich anschließen. Die Kamera wurde nicht aus Sensationsgier auf den verunglückten gehalten und es wurde sachlich damit umgegangen. Leider gibt es natürlich auch die üblichen Verdächtigen, bei denen wohl nur minderbemittelte Arbeiten, welche sich darauf stürzen und eine riesen Story bauen. Den armen Kerl zeigen, welcher sich wohl überschätzt hat und schön bebildert alles ausschlachten. Dass sich solche Redakteure nicht vor sich selbst Ekeln wundert mich etwas. Wie können sich solche Leute nur selbst in den Spiegel schauen, wenn sie mit dem Leid anderer auf solche Art Quote machen wollen? Berichten ist ja OK, aber bitte dabei seriös bleiben. Doch letztlich gehört wohl auch das zu der eingangs erwähnten Abstumpfung des Publikums.

Ich möchte allerdings auf einen ganz anderen Teil hinweisen. Es gibt nun wieder eine große Erschütterung und viel Mitleid in Deutschland wegen einem Mann, welcher eben im Fernsehen einen Unfall hatte, den er auch noch selbst verursacht hat. Wieso sind dann nicht alle Menschen rund um die Uhr traurig? Überall auf der Welt werden Menschen schwer verletzt….sterben Menschen und das fast im Sekundentakt. Worin besteht der Unterschied zwischen diesen unzähligen Menschen und Samuel Koch? Macht es so einen großen Unterschied, dass dies im Fernsehen geschah? Wird dadurch sein Leid stärker? Ich kann dieses allgemeine Mitleid einem unbekannten gegenüber einfach nicht verstehen. So wie ich es noch nie verstehen konnte, wenn die große Massentrauer entsteht, wenn eine Persönlichkeit des öffentlichen Interesses stirbt. Dann sind alle gleich betroffen. Es möge mir jemand erklären, worin der Unterschied besteht zwischen diesen Menschen und Menschen, welche verhungern weil sie nichts zu Essen haben oder Opfer von Kriegen werden. Müssten wir dann nicht konsequenter Weise auch für diese Blumen aufstellen und unsere Trauer bekunden?
Müsste es nicht für jedes dieser Opfer auch Berichte geben? Für jedes einzelne? Sind diese schlechter als Samuel Koch?