Gestern war es so weit, ich war in meinem ersten Musical. Es ging zu Tanz der Vampire in Stuttgart. Ich hatte ja schon viel gutes darüber gehört, also habe ich eine Freundin eingeladen und wir sind relativ spontan hin gefahren. Bevor ich etwas zum Musical sage, kurz ein Bericht über die Fahrt.
Auf de A81 war nichts los und eigentlich hätten wir genügend Zeit gehabt und das SI-Center in Stuttgart anzusehen, bevor es ins Musical ging. Doch schon bald auf der A81 fühlte sich das Auto sehr schwammig an, hieß also an der nächsten Möglichkeit raus und nachschauen. Tja hinten links hatte ich einen Platten. Natürlich habe ich keinen Ersatzreifen, sondern nur einen Reifenpiloten. Nachdem das Zeug drinnen war und nach gefühlten 10 Minuten, die der Kompressor zum füllen des Reifens gebraucht hatte ging es weiter mit 80 km/h. Alle 90 bis 100 km durfte ich den Reifen wieder aufpumpen, weil der Reifenpilot den Schaden nicht reparieren konnte und ich somit wieder fast auf der Felge war. Immerhin war das besser als ein Luftverlust nach 10 Sekunden. Das war es allerdings mit dem Puffer und wir sind 4 Minuten vor Vorstellungsbeginn angekommen. Ein wenig später und wir hätten keinen Einlass mehr bekommen und der Abend wäre ins Wasser gefallen. So konnten wir uns in die 13. Reihe begeben und hatten einen guten Blick auf die Bühnen. Waren auch immer noch nahe genug an dieser um Mimiken erkennen zu können.
Nun aber zu dem Musical selbst. Die Macher haben sich einiges gedacht und schon nach der Ouvertüre kam das erste genial gemacht Erlebnis. Die Darsteller waren noch hinter dem Vorhang, waren aber durch geschicktes Ausleuchten sichtbar. Auf den Vorhand wurde eine Schneelandschaft und Schneefall projiziert. Somit sah es wirklich aus, als wären Alfred und der Professor in einem Schneesturm. Dann kam auch schon Alfreds Soloeinlage, der Professor war verschwunden in diesem Schneesturm.
Nach dieser Einführung wechselte das Bühnenbild und es ging zu einer Herberge, einem der beiden Hauptschauplätze. Diese war schön gemacht, auch wenn sie etwas künstlich wirkte. Da man diese Herberge um 180 Grad drehen konnte und durch Blenden, welche vor diese gelassen werden konnten, ließen sich Außenansicht, Innenansicht Taverne und Innenansicht Zimmer darstellen. Dort ging es dann auch richtig los, als der steif gefrorene Professor wieder auftaut und sich wundert, wieso alle Knoblauch um die Hälse tragen. Er fühlte sich seinem Ziel sehr nahe, die Existenz von Vampiren zu beweisen. Natürlich wurde alles von den Dorfbewohnern bestritten. Es gäbe in der Nähe so sehr ein Schloss, wie es eine Windmühle gäbe. Alle bestätigten dies auch, nun bis auf einen, welcher schnell zum Schweigen gebracht worden ist und als Dorftrottel betitelt wurde.
Einige Szenen Später war es dann so weit. Graf von Krolock hatte seinen Auftritt. Er kam durch den Saal entlang und ging durch die Zuschauer zur Bühne um dort imposant seinen ersten Auftritt zu haben. Er verführte mit seinen Worten Sarah, die Tochter des Wirtes, welche sich in ihrem Leben langweilt und von ihrem Vater auch noch ständig eingesperrt wird. Durch Versprechungen der Freiheit, welche sie sich ersehnt, will er sie zu sich locken. Natürlich mit Hintergedanken. Beim jährlichen Tanz der Vampire soll sie ihm als freiwilliges Opfer dienen und so letztlich selbst ein Vampir werden. Als sie schließlich in den Wald rennt um zum Schloss zu gelangen geht ihr ihr Vater nach um sie zu retten. Es kommt allerdings nur eine steif gefrorene Leiche zurück, welche Bisswunden aufweist. Der Professor lässt sich nicht von den Dorfbewohnern einreden, dass dies Wölfe gewesen sind und will Yoine Chagal einen Pflock ins Herz rammen, damit er wenigstens dessen Seele retten kann. Dies wird allerdings von Rebecca, seiner Frau, verhindert und der Professor und Alfred werden auf die Zimmer vertrieben.
Dies war allerdings ein Fehler, denn in der Nacht wacht Chagal als Vampier auf, währen sich die Magd Magda über seinen Tod beklagt. Auch wenn er ihr immer an die Wäsche wollte, war er doch letztlich ein netter Kerl. So wird auch sie ein Vampir, da er sie beißt. Kurz darauf kommen der Professor und Alfred hinab um Chagal heimlich einen Pflock durch das Herz zu rammen, doch Chagal hat die Leiche von Magda unter dem Laken versteckt, unter dem er selbst lag. Als sie nach der richtigen Position des Herzens tasten merken sie, dass dort anatomisch etwas nicht stimmt und der Schwindel fliegt auf. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd bietet Chagal an, die beiden zum Schloss zu führen, wo auch Sarah ist.
Nun ging es zum letzten großen Bühnenbild. Dem Schloss des Grafen, wo sie von diesem auch schon erwartet werden. Vor allem Alfred wurde dabei sehnlich von Herbert erwartet, dem schwulen Sohn des Grafen von Krolock. Als es Tag war, versuchten der Professor und Alfred in der Gruft den beiden einen Pflock ins Herz zu rammen, was allerdings scheiterte. Der Professor blieb beim Einstieg in die Gruft stecken und Alfred konnte einfach niemandem einen Pflock ins Herz treiben. So blieb nur der Rückzug. Als Alfred Sarah fand, konnte er sie nicht zur Fluch überreden, da sie dem Grafen schon verfallen war und sich auf den Ball freute.
So kam es schließlich zum Ball, auf welchen sich Alfred und der Professor verkleidet schlichen. Sarah wurde auf diesem gebissen vom Grafen und tanzte mit blutigem Hals mit ihm. Alfred und der Professor schlichen sich unter die Tanzenden und kamen Sarah so nahe, dass der Professor erkennen konnte, dass sie zwar gebissen worden ist, aber noch lebte. Dies wurde auch den Zuschauern schnell klar, da der Ball vor einem Spiegel war und es nur Spiegelungen von Sarah, Alfred und dem Professor gab. Die Vampire waren nicht im Spiegel zu sehen. So begann die Flucht aus dem Schloss, welche auch gelang. Sarah, Alfred und der Professor waren letztlich frei und auf ihrem Weg zurück nach Königsberg, wo sich der Professor für seine Forschung den Nobelpreis erhoffte, hatte er doch die Existenz von Vampiren bewiesen. Bei dieser Flucht gibt es noch ein Ereignis, welches ich nun aber verschweigen werde. Dieses erfährt nur, welcher in das Musical geht oder sich den Film Tanz der Vampire ansieht.
Ich hatte zum Glück eine Vorstellung ohne technische Pannen, welche wohl des öfteren mal vorkommen sollen. So konnte ich alles gänzlich genießen. Die Bühnenbilder waren herrlich und die Musikstücke einfach nur atemberaubend. Das Orchester wusste was es tat und die Darsteller stecken so manchen Popstar oder Superstar, welcher im deutschen Fernsehen gefunden wird, gesanglich in die Tasche. Besonders faszinierend waren Situationen, bei denen die Darsteller hinter dem Vorhang waren und auf den Vorhang etwas projiziert worden ist. Dieser Effekt war schön anzusehen. So wurde beim Tanz der Vampire der Vorhang auch zum Spiegel. Vor dieser Leistung habe ich wirklich Respekt, denn während die menschlichen Hauptdarsteller im Vordergrund getanzt haben, waren im Hintergrund Doubles, welche die Exakten Bewegungen mitgemacht haben, allerdings ohne den Tanzpartner. So entstand die Illusion, sie würden vor einem Spiegel tanzen in welchem sich die Vampire nicht spiegeln.
Musikalisch werden wohl viele Melodien erkennen, da sich der Komponist Jim Steinman bei vielen seiner vorhergehenden Werke bedient hatte. Es ist nicht wirklich schlimm und so stellt sich schnell das Gefühl ein alles irgendwie schon mal gehört zu haben. Zwar nicht vom Text, doch von der Melodie.
Ich kann jedem nur empfehlen, das Geld in die Hand zu nehmen und nach Stuttgart zu fahren (möglichst mit intaktem Auto oder doch dem Zug). Tanz der Vampire wird dort noch bis Januar 2011 vorgeführt, ehe es von “Ich war noch niemals in New York” abgelöst werden wird. Leider habe ich keine Informationen gesehen, ob es danach an einem anderen Spielort in nächster Zeit gezeigt werden wird. Zu gerne würde ich mir Tanz der Vampire noch einige male anschauen, doch fehlt mir die Zeit und irgendwann dürfte auch das Kleingeld zu neige gehen. Da die Spielzeit begrenzt ist, wird es auch nicht mehr so viele Gelegenheiten geben, zumal das Palladium Theater sehr nahe am Status ausgebucht ist.